Nachschlag Presseartikel

Gepostet am Aktualisiert am


Die anderen großen Tageszeitungen in Berlin reagierten prompt auf den Artikel aus der BZ Berlin.

Berliner Morgenpost titelt:

SCHÖNEBERG

Berliner Schulleiter soll Schüler geschlagen haben

Gegen den früheren Leiter einer Berliner Grundschule werden schwere Vorwürfe erhoben. Der Mann soll Schüler beleidigt und zusammengeschrien haben – wenn er nicht sogar zuschlug. Das behaupten Eltern und Schüler. Die Senatsbildungsverwaltung verweigert jeden Kommentar.

Gegen den ehemaligen Schulleiter der Lindenhof-Grundschule an der Schöneberger Reglinstraße werden schwere Vorwürfe erhoben. Er soll Schüler beschimpft und in Einzelfällen physisch misshandelt haben. Inzwischen wurden er und der zuständige Schulrat des Bezirks Tempelhof-Schöneberg versetzt. Die Senatsschulverwaltung wollte weder die Vorfälle an der Grundschule noch die Versetzung von Schulleiter und Schulrat kommentieren. Zu Personalangelegenheiten gebe es keine Auskunft, teilte die Behörde von Schulsenator Jürgen Zöller (SPD) mit.

Martina Rade, Bezirksverordnete der Grünen und Vorsitzende des Schulausschusses, sagte Morgenpost Online: „Seit September des letzten Jahres haben Eltern über die schlechte Stimmung an der Grundschule geklagt.“ Der ehemalige Schulleiter soll einzelne Schüler als „Dummkopf“ und „Hohlkopf“ bezeichnet haben. Zudem sei das mangelnde Engagement des Schulleiters beklagt worden. Von Misshandlungen hätten die Eltern aber nicht gesprochen, betonte Martina Rade. Und: „Es gab auch Eltern, die die Position des Schulleiters geteilt haben“, sagte sie.

Acht bis zehn E-Mails mit Beschwerden von Eltern habe er bekommen, sagte Hans Ohnmacht. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grauen Panther in der BVV bestätigte, dass auch „Kopfnüsse“, die der Schulleiter verteilt haben soll, beklagt worden seien.

Die Mutter eines 11-jährigen Schülers, die namentlich nicht genannt werden möchte, bekräftige gegenüber Morgenpost Online: „Der ehemalige Schulleiter beschimpfte die Kinder. Er hat sie zusammengebrüllt und ist bei drei Kindern handgreiflich geworden.“ Sie legte Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Beleidigung gegen ihn ein.

Der zuständige Schulrat reagierte und führte eine Befragung der betroffenen Grundschüler durch. „Er hat die Kinder aus der Klasse geholt und zu den Vorfällen verhört. Sie mussten die Situationen im Rollenspiel nachstellen“, sagte die Mutter. Lehrer und Eltern sollen über die Befragung nicht informiert gewesen sein.

Anlass für Martina Rade, eine große Anfrage in der Bezirksverordneten-Versammlung zu stellen. Die zuständige Schulaufsichtsbehörde prüfe derzeit die Vorwürfe, teilte die Außenstelle Tempelhof-Schöneberg der Senatsschulverwaltung mit.

Artikel erschienen am 09.04.2010

Tagesspiegel:

Vorwürfe gegen Berliner Schulleiter

Gegen den Ex-Schulleiter einer Grundschule in Berlin-Schöneberg sind schwere Vorwürfe erhoben worden. Über ein halbes Jahr lang soll der vor rund drei Wochen versetzte Lehrer Schüler offen beschimpft haben.

10.4.2010 0:00 Uhr

Beschimpfungen, Schikane und womöglich sogar Schläge – die Beschwerden der Eltern über den ehemaligen Schulleiter der Lindenhof-Grundschule in Schöneberg rissen nicht ab. Die Vorwürfe gegen Hans S. führten letztlich dazu, dass nicht nur er selbst, sondern auch der zuständige Schulrat Helmut R. um Versetzung baten. Hans S. soll nun ab 1. Mai an einer Schule in Lichtenberg beginnen.Der Rektor soll über ein halbes Jahr lang Schüler regelmäßig beschimpft haben. Schülerberichten zufolge soll er diese offen als „Dummkopf“ oder „Hohlkopf“ bezeichnet haben. Zu einem farbigen Schüler soll Hans S. vor der Klasse „black man“ gesagt haben. Auf dem Schulhof sei auch von Schlägen auf den Hinterkopf erzählt worden, sagt ein Fünftklässler, und berichtet, S. habe ihn als „Klugscheißer“ beschimpft. Mindestens eine Dienstaufsichtsbeschwerde ist beim Bezirksamt gegen den 55-Jährigen eingegangen. Rund 100 Eltern, also etwa ein Drittel der Elternschaft, habe sich gegen Herrn S. eingesetzt, „weil sich ihre Kinder bedroht fühlten“, sagt eine Mutter. Eine andere berichtet von einer Kopfnuss. Bei der Staatsanwaltschaft liegt bislang keine Anzeige vor. Hans S. war gestern nicht erreichbar, ebenso Vertreter der Lindenhofschule.

Die Vorsitzende des Schulausschusses des Bezirks Martina Rade (Bündnis 90/Die Grünen), ist schon kurz nach dem Amtsantritt des neuen Schulleiters im Herbst 2009 über die Arbeitsmethoden von Hans S. informiert worden. „Es fiel deswegen besonders auf, weil seine Vorgängerin Frau Keppeler-Schrimpf aus der Schule eine Vorzeigeschule gemacht hatte“, sagt Rade. Diesen guten Weg sahen die Eltern gefährdet, nachdem die Schulleiterin aus privaten Gründen ihr Amt aufgegeben hatte und Hans S. eingesetzt wurde. Von da an häuften sich die Beschwerden bei Martina Rade. „Jede Schulausschusssitzung war überlaufen, weil die halbe Elternschaft da war“, erzählt Rade.

Die Eltern gingen jedoch erst richtig auf die Barrikaden, als sie sich vom zuständigen Schulrat Helmut R. nicht ernst genommen fühlten. Der Schulrat habe die Probleme verharmlost, sagen die Eltern. Aus einem Schreiben des Bezirksamts geht hervor, dass Helmut R. schließlich selbst in die Schule kam, um die Schüler zu den Vorfällen zu befragen. Schüler berichten, der Schulrat habe sie einzeln oder in Gruppen aus dem Unterricht gezogen und regelrecht verhört. „Er hat sie bedrängt, etwas zu sagen“, berichtet eine Mutter.

Auch gegen Helmut R. wurden Dienstaufsichtsbeschwerden beim Bezirk eingereicht, die offenbar zur Versetzung führten – offiziell auf eigenen Wunsch. „Die Sache hat uns beschäftigt“, bestätigt Bezirksbürgermeister Ekkehard Band. „Beide sind versetzt, mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Auch die Senatsverwaltung wollte sich am Freitag nicht äußern, zu Personalfragen könne man keine Auskunft geben.

Dass Hans S. ab 1. Mai als Rektor an einer Schule in Lichtenberg beginnen soll, führt dort zu Protest. Es soll Eltern geben, die seine Einsetzung verhindern wollen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.04.2010)

Berliner Zeitung:

Schulleiter bringt Eltern gegen sich auf

Streit um Erziehungsstil an Grundschule

Martin Klesmann

Die Schöneberger Lindenhof-Grundschule muss sich nach den Osterferien einen neuen Schulleiter suchen. Der bisherige Schulleiter S. hat es dort nur ein dreiviertel Jahr ausgehalten. Der gelernte DDR-Pädagoge geriet mit seinen Vorstellungen von Schule derart mit zahlreichen Eltern aneinander, dass er nun selbst seine Versetzung beantragte. Er wird jetzt als Rektor an eine Lichtenberger Grundschule wechseln.

Wie aber konnte die Situation im Schöneberger Süden derart eskalieren? Als der neue Schulleiter zu Beginn des laufenden Schuljahres anfing, zogen manche Eltern schnell die Kompetenz des neuen Schulleiters in Zweifel. Schließlich wurde die Hauptschule, an der S. bisher Schulleiter war, aufgegeben, auch weil sich dort kaum noch Schüler anmeldeten. S. folgte nun auf eine angesehene Schulleiterin, an der Grundschule stammten jetzt Schulleiter wie auch Konrektorin aus dem Osten. „Die beiden waren schon in der DDR zusammen an einer Schule“, raunten sich manche Eltern zu. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit soll der neue Grundschulleiter S. dann deutlich gemacht haben, dass er von „Kuschelpädagogik“ wenig halte. Vor der Klasse soll er zuweilen laut geworden sein, was die Kinder verunsichert habe, sagen Eltern.

Bald gingen Elternhinweise auch bei den Schulpolitikern im Bezirk ein. „Schon im Herbst des letzten Jahres berichteten mir Eltern, dass er einen farbigen Jungen im Unterricht als ,black man‘ bezeichnet habe“, sagte gestern Martina Rade (Grüne), Schulausschuss-Vorsitzende des Bezirks. Angesichts kritischer Nachfragen von Bezirkspolitikern igelte sich Schulleiter S. weiter ein. Es herrschte ein Klima des Misstrauens. Sieben Lehrer stellten einen Versetzungsantrag.

Dann eskalierte die Situation vollends: Eine Mutter berichtet, dass der Schulleiter ihren Sohn im Unterricht vor den Osterferien als „Klugscheißer“ bezeichnet habe. Außerdem soll er einen Schüler mit der flachen Hand am Hinterkopf berührt haben. Auch andere Eltern empörten sich, man reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

Als sich der zuständige Schulrat R. vor Ort ein Bild machen wollte, sorgte er für weiteren Unmut. Ohne vorherige Rücksprache mit den Eltern soll der Schulrat Fünftklässler einzeln und paarweise in einem separaten Klassenraum über den Schulleiter ausgefragt haben. Politikerin Rade spricht von einer „Verhörsituation“. Pikant: Schulrat Herr R. hat nun zur gleichen Zeit wie der Schulleiter den Dienstbezirk gewechselt. Angeblich auch auf eigenen Wunsch. Auch gegen ihn gab es eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Schulleiter S. bezeichnete die Vorwürfe von Eltern gestern als „Rufmord“. Er räumte ein, einen Schüler als „black man“ bezeichnet zu haben. Er habe Schüler in der Vertretungsstunde nicht namentlich gekannt. Als Schulleiter habe er an der Schule Verschiedenes verändern wollen. Es konnte offenbar nicht gut gehen. Inzwischen hat er einen Rechtsanwalt.

Hans Ohnmacht, schulpolitischer Sprecher der Grauen im Bezirksparlament, vermutet, dass der Schulleiter durch den Versetzungsantrag einer Umsetzung zuvorkommen wollte. Der bestreitet das. Er ist seit gut 20 Jahren Schulleiter, hat die Schließung von zwei Schulen erlebt. Beamte wie er haben generell Anspruch, auf einem solchen Posten beschäftigt zu bleiben. Im Konfliktfall wechseln sie einfach die Schule.

Unter Lehrern gibt es angesichts immer schwierigerer Schüler eine Debatte, wie man widerspenstige Kinder und Jugendliche disziplinieren kann. Hier sorgte jetzt ein Urteil des Landgerichtes Berlin für Aufsehen. Eine Lehrerin hatte einen Schüler, der den Klassenraum trotz wiederholter Aufforderung nicht verlassen wollte, grob am Arm gepackt und hinausgeführt. Dabei trug der Schüler einen daumennagelgroßen Bluterguss davon. Die Staatsanwaltschaft klagte die Lehrerin wegen Körperverletzung an. Doch das Landgericht sprach sie frei. Das Vorgehen der Lehrerin liege unterhalb der Bagatellgrenze. Vor allem aber sei es „alternativlos“ gewesen, da nur so die Ordnung in der Klasse durchgesetzt werden konnte.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0410/berlin/0036/index.html

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