OMG. Die Antworten auf die kl. Anfrage „Förderung von SchülerInnen mit Autismus“

Gepostet am


Heute wurde die kleine Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus von Berlin  „Förderung von SchülerInnen mit Autismus“ von Frau Kittler (LINKE) veröffentlicht. (Vielen Dank für die Anfrage.)

Die Beantwortungen der Fragen sind einfach nicht in allen Punkten nachzuvollziehen bis falsch beantwortet. (Nach meinem Wissen.) Teilweise sind die Antworten sogar ein Schlag ins Gesicht der Eltern und letztlich auch der Kinder. Ihr müsste es wirklich in Ruhe lesen, alles und weitertragen. In Berlin haben wir Ferien und ich schaffe es nicht ,alles zu bloggen dazu, aber:

Ihr dürft mich gerne anrufen/anmailen/antwittern.

Also ich  nehme nur den Punkt 1: Dort sind 384 Schülerinnen mit dem Förderschwerpunkt „autistische Behinderung“ als offizielle Zahl ausgewiesen.

Seit Jahren wissen alle die sich damit beschäftigten, dass diese Zahlen schlichtweg FALSCH sind.

Ich zitiere hier aus  einem Vortrag der Ambulanzlehrerin Frau Finck,  aus der Comenius-Schule vom Februar 2012: (Anm.: Die Stelle die eine genaue Erfassung hat, denn nur durch diese Stelle kann und wird der Förderschwerpunkt „autistische Behinderung“ zugewiesen. Das finde ich falsch, mehr als falsch,aber das wisst ihr bereits.)

TOP 3: Autismus: Sonderpädagogische Integration in der Schule

(Ambulanzlehrerin Frau Finck, Comenius-Schule)

In Berlin arbeiten – mit Sitz an zwei Auftragsschulen (Comenius-Schule, Schule am Friedrichshain) – sechs Lehrkräfte als „Ambulanzlehrer für den Förderschwerpunkt Autismus“, die mit den speziellen Anforderungen durch autistische Behinderungen vertraut sind. Diese Lehrer/innen sind für alle Berliner Schulen tätig. Ausgangspunkt ist eine ausführliche Diagnose durch niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater oder entsprechende Kliniken. Drei Kernsymptome müssen vorhanden sein: gestörte Kommunikation/Interaktion, Beharren auf gleichen Abläufen, Sprachauffälligkeiten (z.B. „Erwachsenensprache“). Wenn den Ambulanzlehrern von Eltern, Kitas oder Schulen Kinder mit dieser Diagnose gemeldet werden, findet im Rahmen einer Hospitation eine Verhaltensbeobachtung sowie eine ausführliche Anamnese statt, auf dieser Grundlage erstellen die Ambulanzlehrer das sonderpädagogische Gutachten mit der Festlegung des Förderschwerpunktes und Empfehlungen für den weiteren schulischen Entwicklungsverlauf. Darüber hinaus beraten die Ambulanzlehrer Schulen und Eltern bei pädagogischen und organisatorischen Fragestellungen, koordinieren den Einsatz von Schulhelfern und bieten Fortbildungen an.

Frau Finck nannte einige Zahlen zu ihrer Tätigkeit:

Aktuell haben 829 Schüler in Berlin den Förderschwerpunkt Autismus. Davon besuchen 38% den Regelunterricht, 27% sind in Schulen für geistig Behinderte, 24% in Schulen für Körperbehinderte, 11% besuchen Spezialklassen an den beiden Auftragsschulen. An der Comenius-Schule gibt es z.B. drei Ganztags-

Kleinklassen (9 Schüler, 2 Lehrer, 3 Erzieher) in den Klassenstufen 1-4, 5-8, 9-10. Ein besonderes Angebot sind die ebenfalls jahrgangsübergreifenden Asperger-Kleinklassen (jeweils 6 Schüler), die ab der 2. Klasse beginnen und Schülern, die trotz normaler/guter Intelligenz wegen ihrer spezifischen Störung an der Regelschule keinen Erfolg haben würden, die Möglichkeit bieten, den MSA zu erwerben.

Der Einsatz von Schulhelfern (über den Verband „Autismus Deutschland“) wird in Berlin dadurch erschwert, dass seit April 2011 eine Zuordnung zum § 35a SGB VIII – verbunden mit entsprechenden Eingliederungsleistungen – Voraussetzung für einen solchen Einsatz ist, eine in vielen Fällen problematische Verknüpfung. Der Verband befindet sich in Diskussion mit der Senatsverwaltung.“

Es werden 445 Schülerinnen unterschlagen. (o.k. ein paar werden sicherlich die Schule bereits verlassen haben,diese Zahl ist aber zu vernachlässigen.)

Unlängst hatte ich mal wieder darüber geschrieben, was u.a. den Bezirk Lichtenberg betrifft:

25. 01. 2013 Mein Kind existiert nicht für die Senatsverwaltung als Autist……… (u.a. erkläre ich hier haarklein, wie die statistische Erfassung in der Theorie läuft)

31.01. 2013 So, jetzt mal “Butter bei die Fische” – Erfassung aller Schülerinnen mit dem FS Autismus an Berliner Schulen

15. 02. 3013 Hoppla. Plötzlich sind es 63 Schülerinnen in Lichtenberg mit Autismus.

 

Eure Doreen

Und was sagt ihr sonst zu der Anfrage und dessen Beantwortung? Meinungsbild bitte.^^

 

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4 Kommentare zu „OMG. Die Antworten auf die kl. Anfrage „Förderung von SchülerInnen mit Autismus“

    dieandereperspektive sagte:
    25. März 2013 um 4:37 pm

    Da das ganze, so wie auch bei den Arbeitslosenstatistiken etc. Methode hat, erübrigt sich hier die Diskussion. Allein Aufklärung hilft und Schritte, die dazu führen dass die Verantwortilchen die Rechnung präsentiert bekommen. Also weiter so! Abwählen und konsequent die Misstände anprangern.

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    Bjoern (@bjoernMaHe) sagte:
    25. März 2013 um 7:10 pm

    Hier noch Frage + Antwort
    http://www.parlament-berlin.de:8080/starweb/adis/citat/VT/17/KlAnfr/ka17-11552.pdf

    Zitat:
    “ die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit diesem Förderschwerpunkt in den letzten 5 Jahren nahezu verdoppelt hat.“
    die Zahlen:
    2008/09: 210
    2012/13: 384
    Die übliche Mathematik sagt dazu, dass sind +84%. Die benannten +100% sind noch ein ganzes Stück entfernt. Ich wünsche an dieser Stelle dem Autor dieser Antwort ein „Gehalt von nahezu 100% und Urlaub in Höhe von nahezu 100%…“ (nein, nicht als Erhöhung!)

    Immerhin erklärt es, wohin die restlichen Schüler*innen verschwunden sind. In das eigene Zahlensystem des Senats, die sich ja auch an vielen anderen Stellen schon gezeigt hat und immer wieder zeigt…

    Es gibt Tage, da komm ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

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    regina kittler sagte:
    1. April 2013 um 12:58 pm

    danke fürs bloggen! (telefonieren habe ich vor dem urlaub nicht mehr geschafft, aber nicht vergessen!)
    und danke auch an alle, die hier ihre meinung dazu sagen. ich habe die anfrage gestellt, weil ich mehrere petitionen von eltern hatte, bei denen den kindern die weitere förderung (gegen eltern-, ärzte- + psychologenmeinung) versagt wurde und ich nur sehr begrenzt weiter kam bzw. helfen konnte. vielfach wird den kindern einfach adhs verpasst oder die meinung asperger sei ja wohl nur ne leichte form und da braucht man keine extra Förderung. ich habe auch vielfach den Eindruck, dass versucht wird, die steigenden zahlen als Trend von ärzten hinzustellen.
    da ich das nicht einfach so hinnehmen will, habe ich erst mal die anfrage gestellt.
    wenn die zahlen schon mal nicht stimmen, würden mich auch andere einschätzungen und meinungen interessieren.
    gern würde ich mich auch möglichst bald mit betroffenen treffen, um gemeinsam parlamentarische + außerparlamentarische aktionen zu überlegen.

    wünsche noch n schönen Ostermontag!

    ps: @dieandereperspekti : „abwählen“ wäre erst in 3 Jahren möglich und keine lösung für jetzt – und obs funktioniert?

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      dieandereperspektive sagte:
      4. April 2013 um 10:07 am

      Ein weiterer Baustein, denn steter Tropf erhöht den Stein, oder?

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