LEAK: Brief eines Schulleiters: Integration wird zerschlagen – Kürzungen

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Ein hervorragend funktionierendes schulisches Konzept der Integration von Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt „Sehen“ an einem Gymnasium wird einfach zerschlagen.

(Unglaublich, aber das ist die Realität in Berlin, seit Jahren, der Stundenpool ist seit Jahren unverändert gleich geblieben, aber die Schülerzahlen steigen auch seit Jahren. Das nennt man eine versteckt Kürzung.  Seit Jahren erleben wir das insbesondere im Bereich des Bugdets für die Schulhelfer*innen.

Aufgrund des gedeckelten Bugdets für die sonderpädagogischen Förderung  in Berlin, hat sich nun auch dramatisch die Integration von sehbehinderten und blinden Jugendlichen an diesem Gymnasium dramatisch verschlechtert, ein Kind hat die Schule aufgrund der Situation die Schule verlassen.

Die Fichtenberg Oberschule  ist  Berlinweit das einzige Gymnasium, die diese Jugendlichen seit über 20 Jahren in dieser Größenordnung integrativ beschult hat.

Der Schulleiter hat sich am 30.08.2013 mit einem Elternbrief an die Eltern gewandt. Respekt Herr Leppin.

Aber lest selbst und wer helfen möchte, ihr wisst wo ihr mich findet.

Eure Doreen
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inklusion-an-berliner-schulen.de

inklusive-schule-in-berlin.de

30.08.2013

5. Elternbrief im Schuljahr 2013/14

„Inklusion zum Minustarif“

Es gebe keine „kostenneutrale Umsetzung“ des Inklusionskonzepts meint die Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Dies ließ alle am Inklusionsprozess Beteiligten hoffen – dass dies sich aber ins Gegenteil verkehrt und zu Kürzungen führt, dies darf nicht unwidersprochen bleiben!

Zu den Fakten: Zu Beginn des Schuljahres waren an unserer Schule 18 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, darunter 4 Blinde und 11 Sehbehinderte. Zur Förderung dieser Schüler erhält die Schule entsprechend der rechtlichen Vorgaben zusätzliche Lehrerstunden. Darüber hinaus bekam unsere Schule aus dem bezirklichen Dispositionspool noch weitere Lehrerstunden zugewiesen.

Diese Stunden werden dazu verwendet, um Klassen- bzw. Kursfrequenzen in diesen Lerngruppen zu senken (z.B. 27 statt 32 Schüler in den Integrationsklassen der 7. Jahrgangsstufe), um zusätzlichen Einzel- bzw. Kleingruppenunterricht für diese Schüler – insbesondere in den Naturwissenschaften – einzurichten und um den Ambulanzlehrern ausreichend Zeit zur individuellen Betreuung bereitzustellen.

In den vergangenen Jahren wurden die Stunden aus dem bezirklichen Dispositionspool dramatisch gekürzt, wie die Tabelle verdeutlicht:

Schuljahr Anzahl derSchüler StundenlautZumessungsrichtlinien Stunden aus dem Dispositionspool Summe der Lehrerstunden
2008/09 14 63 90 153
2009/10 17 66 84 150
2010/11 15 42 66 108
2011/12 19 75 33 108
2012/13 20 72 40 112
2013/14 18 74 40 114 (5.2.13)
  18 74 20 94 (29.4.13)
  18 74 Minus 10 64 (28.8.13)

Daraus kann man ablesen, dass sich bei zunächst steigender und in den letzten Jahren konstanter Anzahl an Integrationsschülern die Summe der zur Verfügung stehenden Lehrerstunden um fast 66% verringert hat. Dramatisch ist die Entwicklung in diesem Schuljahr: Ausgehend von einer Prognose von 40 Stunden aus dem Dispositionspool, die Grundlage für die Planung der Schule gewesen ist, wurden diese Stunden zum Schuljahresbeginn auf ein Minus von 10 Stunden gekürzt; d.h. es werden der Schule auch noch 10 Stunden aus dem regulären Lehrerstundenpool entnommen! Diese Kürzung von insgesamt 50 Lehrerstunden entspricht einer Reduzierung um nahezu zwei Lehrerstellen!

Begründet werden diese Kürzungen mit dem Hinweis auf die steigende Anzahl an Integrationsschülern im Bezirk und einer gleichbleibenden („gedeckelten“) Summe an zur Verfügung stehenden Lehrerstunden.

Mit diesen Kürzungen kann die Schule eine ausreichende Förderung dieser Schüler nicht mehr sicherstellen. So müssen in diesem Schuljahr noch Stunden aus der regulären Unterrichtsversorgung der Schule in den Förderbereich umgeleitet werden, um eine Grundversorgung der Integrationsschüler zu gewährleisten.

Die Eltern eines blinden Schülers zogen aus diesen ständigen Verschlechterungen ihre Konsequenzen: Trotz großer Wertschätzung unserer Arbeit meldeten sie ihr Kind vor kurzem ab und lassen es eine Schule in einem anderen Bundesland besuchen, in dem die Fördermöglichkeiten deutlich besser sind.

Diese Kürzungen widersprechen eindeutig den Empfehlungen des von der Senatorin eingesetzten Beirats „Inklusive Schule in Berlin“ zum Bereich Schwerpunktschule! Unsere Schule hat sich als inklusive Schwerpunktschule für den Bereich „Sehen“ beworben! Angesichts dieser Kürzungen wäre eine Aufrechterhaltung dieser Bewerbung unverantwortlich!

Rainer Leppin
 

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2 Kommentare zu „LEAK: Brief eines Schulleiters: Integration wird zerschlagen – Kürzungen

    Günter sagte:
    3. September 2013 um 6:38 am

    Dieser Brief überrascht nicht und unsere Aufmerksamkeit sowie aktives Gegenhalten ist den Kindern geschuldet. Leider steht diese Situation nicht im Widerspruch zu den Beiratsempfehlungen. Nach wie vor ist eine pauschale Grundausstattung der Schulen für inklusiven (immer noch intergrativen-) Unterricht anstelle einer bedarfsgerechten Ausstattung die Rede, was einer Deckelung gleich kommt. Dies steht selbstverständlich im Widerspruch zur UN-BRK. Das sogenannte LMB-Finanzierungskonzept führt am Bedarf der Schulen vorbei und da hilft auch keine kleine Ausgleichskasse, die da und dort jeweils flicken soll. Klingt alles etwas kompliziert kann man sich aber im Newsletter-Spezial- „Inklusion“ des LEA auf der alten Homepage „www.lea-berlin.de“ anschaulich erklären lassen,was da in den Beiratsempfehlungen nicht zu empfehlen ist. Eventuell erscheint dieser themenbezogene Bericht demnächst auch auf der jetzt offiziellen Homepage des neuen Vorstandes 😉
    Günter Peiritsch – Mandatsträger – „Inklusion“ für den Landeselternausschuss und ehem. Beiratsmitglied „Inklusive Schule in Berlin“

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