Beim Diebstahl erwischt!


Ihr kennt das sicherlich: Jeden Morgen trefft ihr dieselben Menschen.

Grüßt ihr sie nach einer gewissen Zeit? Ich schon, wenn sie mir sympathisch sind es gibt nichts schlimmeres als sich zu ignorieren. Jeder kennt die Fahrstuhlsituation, ich hasse es wie die Pest!

Seit 6 Jahren laufen wir logischer Weise denselben Weg zur Schule und seit 2 Jahren begegnen wir regelmäßig einem Vater mit 4 Kindern, die alle offensichtlich auf die Lernbehindertenschule bei uns um die Ecke gehen. Immer nur der Vater, nie eine “Mutter”. Diese Menschen machen einen sympathischen Eindruck und irgendwann haben wir angefangen uns zu grüßen.

Letzte Woche im Rewe, war der Vater alleine ohne die Kinder. Er stand hinter mir an der Kasse, wechselte dann an die neugeöffnete Kasse und blitzschnell stürmte ein großer, kräftiger Mann mit einem Stöpsel im Ohr auf ihn zu und zog ihn unsanft weg.

Mir wurde richtig schlecht, halt ein mulmiges Gefühl im Bauch. Die Kassiererin erzählte mir dann, dass er oft klauen kommt.

Da war ich baff und ich überlege ob ich vielleicht helfen könnte? O.k. die Kids und der Papa sind nicht modisch gekleidet, was mit KIK und Co durchaus zu Minipreisen geht. Aber wenn er alleine für die Kinder sorgen muss und kein Gespür für ein bissl Mode hat, sieht es halt so aus wie es aussieht.

Die Kleidung die sie trugen waren auch nie offensichtlich dreckig und die Kinder sehen immer gepflegt aus.

Seit diesem Tag geht mir der Vater aus dem Weg, wenn er mich sieht gehen sie woanders lang.

Es wird ihm sicherlich peinlich sein, denn er kann nicht wissen das ich eine sehr hilfsbereite Person bin und Kontakte bis zum Horizont in Lichtenberg habe.

Natürlich müsste hinterfragt werden, was er denn stiehlt. Wenn es sich um Alk oder Tabakwaren handelt, hätte ich kein Verständnis.

Aber Lebensmittel oder mal ein kleines Geschenk für die Kinder sollte niemand in Deutschland stehlen müssen.

Wir habe hier in unmittelbarer Nähe eine Tafel, ich war dort auch schon Kunde und ich würde es jeder Zeit wieder in Anspruch nehmen wenn es nicht anders geht.

Es gibt hier im Bezirk auch Sozialkaufhäuser oder Klamottenabgabeläden, Lichtenberg ist wirklich gut aufgestellt, es gibt Stiftungen. Aber wenn niemand einem die Hand reicht und hilft diese Einrichtungen auch zu finden was dann?

Jetzt bin ich als alte Straßensozialarbeiterin gefragt, eine Methode zu finden um mit ihm zu sprechen. Mir fällt nichts ein, ich kann schließlich nicht hinter her laufen, oder?

Was meint ihr?

2. April ist Welt-Autismus-Tag


……und ich hadere immer noch mit der Diagnose, denn die Diagnose erhielt ich erst 2007. Da war Max 7 Jahre alt. Zwei Jahre zuvor hatten wir eine Einzelfallhelferin für Max, quasi der erste Satz war: “Der ist wie Oskar.” Oskar ist ein Autist. Es folgte die totale Verdrängung, es konnte doch nicht sein, er ist geistig behindert und gut ist! Besser das als ein Autist zu sein. Wie blöd war ich eigentlich`?

Es war ein langer und steiniger Weg zur Diagnose, aufgrund seiner Frühgeburtlichkeit und der Folgeschäden. Alle Ärzte ruhten sich quasi darauf aus und schoben alle “Merkwüdigkeiten” auf den Hirnschaden oder auf meine Erziehungskompetenz. Habe ich auch schriftlich und es versetzt mir heute immer noch einen Stich ins Herz.

Unbedarft wie ich war glaubte ich das alles, weil es in der Tat schwierig ist für “normale” Ärzte die richtige Diagnose zu stellen.

Um seinen dritten Geburtstag herum, wußte ich instinktiv das Max anders ist als andere Kinder.

Er war einfach anders, angefangen vom Sprachverständnis, von der Sprache, fehlende Zusammenhänge, ständige Unruhe, Bücher und Geschichten fand er nicht toll. Er liebte Werbezettel vom Baumarkt, konnte Pudding nicht von Griesbrei oder Milchreis unterscheiden, keinen Unterschied zwischen Vanilleeis oder Schoko, es ging nur nach Farben. Er blickte “durch einen durch”, er sprach nur 2 Wort Sätze, wenn er überhaupt redete. Viele, viele Kleinigkeiten und mein untrügliches Gefühl für ” da stimmt etwas nicht”.

Um so älter er wurde redeten alle von schwerem ADSH mit geistiger Behinderung.

O.K.

Aber ich wollte keine Medikamente für ihn, was für eine falsche Entscheidung!

Kurz vor seinem 5. Geburtstag kam er in den Kindergarten, dem Sonderkindergarten in der Carl-von-Linne Schule. Es war das beste, was uns passieren konnte.

Mit 5,5 Jahren kam er dann in die Carl-von-Linne Schule als Schulkind und die Probleme gingen los, massiv. Das war 2004.

Jetzt haben wir 2010 und er ist mein Zauberkind, weil er einfach “verzaubert” ist. Ich denke, er hat sich mir als Mutter ausgesucht.

Es ist so wie es ist, Part II


Vom Samstag zu Sonntag waren die Kids bei der Oma und ich konnte ein wenig abschalten, zumindestens von der Krankenpflege.

Es bleibt wirklich viel liegen in meinen Netzwerken wenn ich ausfalle, nicht die Zeit und die Ruhe habe zu antworten auf die Anfragen oder die Infos zu verteilen. Ir gendwie quälte ich mich an den Computer, so richtig denken und arbeiten konnte ich nicht. Mein Körper forderte massiv Ruhe ein in Form von Migräne mit allem was dazu gehört.

Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, den neuen Internetauftritt vom Netzwerk Förderkinder zu gestalten, mich mit dem Programm vertraut zu machen, weil wie immer gibt es nur eine Anleitug in inglisch und das ist nichts für mich. Es ging dann irgendwie die Kollegen die den Webspace zur Verfügung stellen und die Plattform programmierten haben mich am Telefon super unterstützt. Wer das wohl ist, werdet ihr euch fragen? Das Geheimnis wird erst gelüftet, wenn ich die Daten auf die Plattform übertragen, alles schon formatiert ist und alle Links laufen.

Jedenfalls freute ich mich am Montag, dass Max wieder zur Schule gehen kann. Er hustete noch, aber es war im Bereich, dass er gehen konnte. Der Abschied fiel ihm natürlich schwer, aber sein Schulhelfer wartete am Eingang und nahm Max liebevoll in Empfang.

Dienstagmorgen, nachdem ich ihn geweckt hatte kam der Supergau in Form eines Satzes: “Mama, ich hatte die ganze Nacht dolle Ohrenschmerzen.”  Da gehen alle Alarmglocken an, Max hatte als Baby und Kleinkind immer Ohrenprobleme, 2x Röhrchenlegen inklusive, geplatztes Trommelfell mit blankem Eiter der aus den Ohren lief, Dauerantibiose usw.

O.k., ruhig Blut. Wir sind dann gleich um 8.00 Uhr zum Kinderarzt, leider war seine Frau Dr. Sonntag nicht da. Die andere Kinderärztin schickte uns dann gleich zum Ohrendoc. Dumm nur, dass Ohrenärtze die erklärten Feindbilder von Max sind.

Hand aufs Herz, wenn ein Kleinkind egal ob er Autist ist oder nicht, dass Zimmer betritt und die ganzen Apparate und Instrumente sieht, ist das ein Schock oder?

Nunja, also 3. Etage zum Ohrendoc, die Kinderärztin rief vorher dort an. 6 Minuten Wartezeit und wir wurden aufgerufen.

Es kam wie es kommen musste, Max streikte .

Als er die Ärztin sah, die uns extra aus dem Warteraum abholte war alles zu spät. Er rannte Richtung Ausgang, wo ich ihn dann festhalten konnte und ich textete ihn gnadenlos zu, versuchte eine Umkehrsituation zu schaffen, was irgendwie sinnlos ist. Die Ärztin wartete auf dem Gang und war ruhig und freundlich. Sie meinte wir haben Zeit, immer mit der Ruhe.

Irgendwann war er dann soweit wenigstens bis vor den Untersuchungsraum mitzugehen bzw. zog ich ihn sanft an der Hand;-)

Panik, als er die ganzen Gerätschaften sah und dann der Geruch nach Desifektionsmittel….

Damit er die Geräte nicht sehen muss, sollte er ein Auto sein, welches rückwärts bis zum Mechaniker einparkt. Der Mechaniker benötigt die helle Lampe um besser sehen zu können und eine Lupe. Die Lampe benötigt Strom und das Auto muss relativ dicht an den Mechaniker ranfahren:-))

Im PißPottschritt mit vielen Pausen ging Max dann zur Ärztin. Sie durfte dann in die Ohren sehen und schwups war er wieder aus dem Raum verschwunden und nahm im Wartebereich seinen Platz ein. Ich war klitschnass geschwitzt, dass sei am Rande erwähnt.

Vom Doc gab es Antibiotka und bis nächste Woche Dienstag müssen wir wieder zu Hause bleiben, dann haben wir den nächsten  Termin bei ihr.

Mittwoch war Chrissi 4 h Stunden hier und hat mich abgelöst und heute habe ich den Vater eingespannt für 3 Stunden.

Damit hier keine Struktur einziehen kann, zeigt Teeniemädel die ersten Anzeichen des Turbovirus den wir uns hier offensichtlich eingefangen haben;-(

Was ist wirklich wichtig im Leben?


Diese Frage beschäftigt mich mal wieder aktuell. Was ist anderen Leuten wichtig im Leben? Welche Ziele verfolgen sie, wo wollen sie hin? Was ist so wichtig daran in einem Elterngremium zu sitzen, ohne wirkliche Legitimation bzw. eine vorgeschobene die nicht nachweisbar ist.

Welche Interessen verfolgen solche Menschen? Worum geht es wirklich? Wissen sie eigentlich worum es im Leben geht? Welche Wertevorstellungen haben solche Menschen, die andere “fertig” machen wollen auf Gedeih und Verderb? Warum, wo liegt die Intention? Gibts Geld? Gibts Anerkennung?

Nein, ich glaube nicht.

Es geht einzig darum, dass geringe Selbstwertgefühl aufzupolieren, die Klappe aufzumachen und gehört zu werden obwohl eigentlich das niemand interessiert. Da wird nur Heuchelei ins Spiel kommen, eine wirklich echt Anerkennung die aus dem Herzen kommt gibt es nicht für solche Menschen, sie werden nur ausgenutzt.

Eine Schachfigur zu sein und es nicht zu bemerken, tut mir aufrichtig leid.

Mehr dazu später, denn ich habe meine wichtigen Dinge um mich: Meine Familie, meine Freunde und ganz viele andere Menschen. Das sind meine Prioritäten und daran wird sich auch nichts ändern – niemals.

Die erste unreale + reale Begegnung


Die erste unreale Begegnung hatte ich heute  vor 10 Jahren  mit meinem Sohn um 10.32 Uhr, als er natürlich auf die Welt kam, blitzeblau ohne Regung und weg war er, alles brüllte im Kreisssaal rum, selbst der Chefarzt und ich war allein, ganz allein…..

Die erste reale Begegnung hatte ich heute vor 10 Jahren mit meinem Sohn, in Form eines Fotos.  Aufgrund seiner dramatischen Geburt und meines Kampfes hinterher mit meinem Leben, war es nur ein verwackeltes Polaroidfoto.

Er sah wunderschön aus, so friedlich und rein, eine Stubsnase hatte er, zauberhaft wie von einer anderen Welt.

Er war nackt in einem Inkubator, tausende Kabel, Schläuche und was auch immer hingen aus oder an seinem Körper. Dieses nahm ich erst später war.

Dieser Anblick auf dem Foto war es, der mich kämpfen lies, sofort und auf der Stelle zu meinem Kind zu gehen!

Aber gehen, ging nun überhaupt nicht, aufstehen auch nicht und besuchen sollte ich ihn ebenfalls nicht! Ich sollte ein paar Stunden warten, wie es meinem Kind geht konnte uns niemand sagen oder wollte man nicht. Dann versank ich im Schleier des Nebels.

Als ich wieder “anwesend” war wollte ich zu meinem Kind und niemand konnte mich davon abhalten, ich wäre auf allen Vieren gekrochen.

Irgendwie organisierte der Vater einen Rollstuhl, hiefte mich dort rein und schob mich auf die Intensivstation. Niemand lies mich zu meinem Sohn, wir mussten endlos warten.

Dann kam irgendwann der Doc keine Ahnung was er erzählte, nur folgender Satz hat sich eingebrannt für mein ganzes Leben:

“Wir wissen nicht ob er überlebt, die nächsten 48 Stunden sind entscheidend.”

Fortsetzung folgt……….

Heute 10 Jahre später ist er immer noch so zauberhaft wie am Anfang und definitiv nicht von dieser Welt.

HöhleIch bin gespannt wie die nächsten 10 Jahre ins Land gehen, welche Entwicklung er nehmen wird und wie fit wir ihn für diese Welt machen können.

Ich freue mich darauf!